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BADHOTEL WILDBAD - HISTORIE

Im Badhotel mit des Kaisers Tochter gespielt

Hoteliersgattin, Oberkellner und Hobbyarchivar erinnern sich an die wechselvolle Geschichte des Bad Wildbader Traditionshauses

Ilse Hähnle hat als Sechsjährige mit Henrietta, der Tochter von Kaiser Wilhelm II. gespielt. Ilse Hähnles Vater, Oswald Jüptner (1880 bis 1959) war damals, im Jahr 1925, Pächter des Badhotels.

Ich musste immer mit der gleichaltrigen Kaisertochter Henrietta spielen, als ich sechs Jahre alt war“, erinnert sich Ilse Hähnle aus Bad Wildbad. Die 88-Jährige wuchs als einzige Tochter von Hotelier Oswald Jüptner (1880 bis 1959) im legendären Badhotel auf. Und führte das 120-Betten-Haus nach dem Tod ihres Vaters mit ihrem Mann Karl Hähnle (90) bis 1979.

Blüten auf den Tischen ausgelegt

Oswald Jüptner gehörte als Pächter des Badhotels von 1913 bis 1959 zu den führenden Hoteliers im Ländle. „Auf Wiedersehen“ wurde damals noch auf den Tischen im früheren Speisesaal für die Gäste in Blüten ausgelegt, weiß Ilse Hähnle. Und dass sie mit des Kaisers Töchterlein eigentlich nicht spielen wollte, obwohl sie sehr nett gewesen sei.



Henrietta war die Tochter von Kaiser Wilhelm II. und seiner zweiten Frau Hermine, die nach dem Tod von Kaiserin Auguste Viktoria (1858 bis 1921) nicht ganz so beliebt gewesen sei, so Hähnle. Den Kaiser selbst hat sie nicht kennen gelernt, weil 1925 nur Mutter und Tochter im Hotel weilten. „Ich wollte immer, dass mein Vater seine Memoiren schreibt“, bedauert Ilse Hähnle, dass es dazu leider nicht mehr gekommen ist.

Brunnen im Kurpark platziert
Im alten Badhotel – bevor es von 1961 bis 1963 vom Land neu und nur unter Beibehaltung der Fassade – erbaut wurde, stand auf der Frühstücksterrasse auch ein Sandsteinbrunnen von Nikolaus Friedrich von Thouret (1767 bis 1845), dem königlichen Hofbaumeister, der 1840 Badhotel und Eberhardtsbad (heute Palais Thermal) baute. „Heute steht der Brunnen im Kurpark gegenüber der englischen Kirche“, weiß der Wildbader Wolfgang Plappert, Rektor der Grundschule Besenfeld, der bei der Volkshochschule Oberes Enztal schon zum Thema „Promenieren in Bad Wildbad“ referierte.

Die erste große Blütezeit Wildbads sei von 1550 bis 1625 gewesen, kann Plappert belegen. Auf dem früheren Marktplatz – dem heutigen Kurplatz – baute 1546 Herzog Ulrich als Vorgängerbau des Badhotels einen Herrschaftsbau, auch Schloss- oder Ulrichsbau genannt. Nach dem sechsten großen Stadtbrand in Wildbad am 7. Juli 1742 lässt Herzog Friedrich II. (1797 bis 1816) durch Reinhold Ferdinand Heinrich Fischer das nun „Königliches Palais“ genannte Herrschafts- und Gesellschaftshaus bauen.

Offene „Colonnaden“ im Erdgeschoss, bedeckte Promenaden, Conversation-Saal und herrschaftliche Gemächer gelten von 1844 bis 1912 unter der Familie Wetzel und von 1913 bis 1959 unter Oswald Jüptner im „Königlichen Badhotel“ als Treffpunkt der Badegesellschaft. Von 1840 bis 1847 wurde vom Land zudem das „große Badegebäude“, später „Graf Eberhardts Bad“ genannte heutige „Palais Thermal“ gebaut.

Sommerberghotel als Zugpferd
„Ich leide darunter, dass so ein geschichtsträchtiges Haus vom Niveau so weit gesunken ist“, sagt Carlo Conti (70), der von 1986 bis 2004 als Oberkellner im Badhotel arbeitete. Unter der Leitung der Familien Eugen Bätzner junior – der auch das Sommerberghotel führte – und Walter Ableiter vom Hotel Post steht das zuvor erneut umgebaute Badhotel von 1984 bis 1994. Bätzner junior lernte Conti 1959 als Arbeitskollege in der Schweiz kennen.

1963 holte Bätzner den Kellner ins Sommerberghotel. Nach dem Brand dort wurde das neue und moderne Sommerberghotel als Bad Wildbader Zugpferd für Prominente zeitgleich mit dem damals umgebauten Badhotel wieder eröffnet. Bis Mitte der 90er -Jahre gab es noch die einst legendären Kurplatzfeste. Eines besuchte sogar Alt-Bundespräsident Roman Herzog.

Stammgäste verloren
Bedingt durch den Tod von Eugen Bätzner junior im Jahr 1994 und den Tod von Walter Ableiter wird das Badhotel 1994 an Rüdiger Labs verpachtet und 2004 an Friedrich Sacher verkauft, der das Hotel nach Streitigkeiten mit dem Land (PZ hat berichtet) zum 30. April verlässt.

Viele Stammgäste habe man von 1994 an durch Wochenendgäste und Seminare im Badhotel verloren, weiß Conti, der bis 2004 im Badhotel arbeitete. Und auch an den italienischen Konsul – allerdings nicht mehr seinen Namen - der beim ersten Rossinifestival im Badhotel logierte, erinnert sich Conti. „Mir sagt ja keiner was“, habe er spaßig zu ihm gesagt, als er bemerkte, dass Conti Italiener ist.


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Erstellt am: 19.04.2006      Copyright © Pforzheimer Zeitung

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