28.01.2004
Hüttenzauber im Tiefschnee
Die Grünhütte auf dem Sommerberg
zieht in diesen Tagen die Menschenmassen an - Gäste aus aller Welt
BAD WILDBAD.Durch den Schnee stapfen und in der Grünhütte einen dampfenden Pfannkuchen
essen, gehört zu den Wintererlebnissen im Nordschwarzwald. In der Hütte wird
Schwerstarbeit geleistet.
Seit 35 Jahren versorgt die Familie Schraft in der Grünhütte hungrige Wanderer und
Skifahrer. Mitten im Wald, rund fünf Kilometer von der letzten Wohnbebauung auf dem Bad
Wildbader Sommerberg entfernt, gibt es für die durstigen und hungrigen Passanten Deftiges
wie Linseneintopf und Knödelsuppe oder den süffigen Heidelbeerwein. Doch gerade im
Winter wird von Jürgen Schraft und seinem Vater Fritz einiges abverlangt, um den Betrieb
am Laufen zu halten. Bis zur Hütte, die übrigens dem Land Baden-Württemberg gehört,
gibt es zwar ausgezeichnete Langlaufloipen, aber von freigeräumten Wegen kann nicht die
Rede sein.
Auch gestern hat Jürgen Schraft seinen Allrad-Jeep morgens um 8 Uhr in Nonnenmiß mit
Lebensmitteln vollgepackt. Denn nur mit einem Geländewagen kann die Hütte durch den
Tiefschnee erreicht werden. "Da muss man schon aufpassen, dass man nichts
vergisst", schmunzelt der Wirt. Denn sonst muss in der Hütte improvisiert werden.
Oder die guten Freunde von Jürgen Schraft helfen aus und bringen die vergessenen
Lebensmittel. Gleich in der Frühe werden Holz-Herd und Kachelofen angefeuert, die
Kartoffeln aufgesetzt und das Fleisch gekocht, damit die ausgehungerten Gäste befriedigt
werden können. Die strömen ab 11.30 Uhr aus allen Himmelsrichtungen ins Warme.
Schließlich ist die Grünhütte ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Skifahrer
aus den Großräumen Pforzheim, Gernsbach und Stuttgart. Doch auch ausländische Gäste
kennen die Grünhütte. Gestern ließ es sich dort ein neuseeländisches Ehepaar
schmecken.
Im Laufe der Jahre hat sich die Speisekarte in der Hütte ziemlich erweitert. Linsen,
Sauerkraut oder Maultaschen werden unter anderem angeboten. Skifahrer bevorzugen laut
Schraft eher leichte Gerichte, während die Wanderer eher Deftiges wünschen. Richtig
gesellig wird es dann, wenn ein Gast zum Grünhütte-eigenen Akkordeon greift und für
Stimmung sorgt. Wenn dann noch der beliebte Heidelbeerwein dazukommt, macht sich der Wirt
schon mal Sorgen, ob der Besucher auch den richtigen Wanderweg zurück findet. Da gab es
die ein oder andere Suchaktion, die aber immer gut ausgegangen sei, erzählt Schraft.
Wenigstens müssen die Betreiber inzwischen nicht mehr das Wasser in Kanistern fahren. Es
wird von einer Quelle zur Hütte gepumpt. Früher musste schon mal Schnee geschmolzen
werden, damit genügend Spülwasser vorhanden war. Doch Jürgen Schraft möchte seine
außergewöhnliche Aufgabe mitten im Wald trotz aller Mühen nicht mehr missen. "Es
bedeutet für mich ein Stück weit Freiheit und Eigenverantwortung", sagt er und
schwärmt von den Freundschaften, die in der Grünhütte schon entstanden sind.
Erstellt am: 28.01.2004