
Bad Wildbad - Blindenklinik wird zum Hotel
Bad Wildbad - Bereits Ende 2003 ist die Kurklinik der Kriegsblinden in Bad Wildbad
geschlossen worden. Die neue Besitzerin baut die Anlage in ein Vier-Sterne-Superior-Hotel
um.
»Das war eine Sensation«
2006 kaufte die Jurinvest Immobilien GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main den Komplex. Wie
die Geschäftsführerin des Unternehmens, Kira Süss, auf Anfrage mitteilte, stehen mit
dem Umbau in ein Vier-Sterne-Superior-Hotel Investitionen im »Millionen-Bereich« an.
Einen genauen Betrag wollte sie nicht nennen. »Der Beginn der Arbeiten steht noch nicht
fest«, sagte sie weiter.
Das Hotel soll mehr als 100 Zimmer haben, teilte sie mit. Die ehemalige Kurklinik der
Kriegsblinden in Bad Wildbad hat eine bewegte Geschichte hinter sich, wie der Bad
Wildbader Heimatforscher Götz Bechtle deutlich macht.
Ein Verwandter von ihm, der Hotelier August Bechtle, eröffnete die Anlage im Jahre 1910
als Panoramahotel. Er schloss mit der Stadt eigens einen Vertrag, sodass direkt am Hotel
eine Haltestelle der Sommerbergbahn eingerichtet wurde. »Das war eine Sensation«, so
Götz Bechtle.
Im Ersten Weltkrieg war der Gebäudekomplex mit »verletzten und genesenden Soldaten«
belegt. August Bechtle starb in den 1920er-Jahren. Seine Witwe Emilie Bechtle führte das
Haus mit ihrer Tochter Trude bis Mitte der 1930er-Jahre weiter. Dann wurde das Haus
verkauft.
Es wurde zu einem Erholungsheim für Mütter. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in
dem Komplex erneut »verwundete und genesende Soldaten« untergebracht. 1945
beschlagnahmte die französische Besatzungsmacht das Hotel. Um ihre Soldaten
unterzubringen, behielt sie es bis 1950, berichtet Götz Bechtle weiter.
Dann erwarb es der Landesverband der Kriegsblinden Württemberg, der 1952 zum
Landesverband der Kriegsblinden Baden-Württemberg im Bund der Kriegsblinden Deutschlands
wurde. Seit 1950 hieß das Gebäude Rudolf-Schnaitmann-Haus. Zunächst wurde es
Kriegsblindenheim genannt.
In den 1970-er Jahren hieß es Kurklinik für Kriegsblinde. Weil es im Laufe der Jahre
immer weniger Kriegsblinde gab, wurde die Einrichtung Ende 2003 geschlossen. Während es
in den 1970-er Jahren 90 Betten gab, waren es zum Schluss noch 70. Zwischen 35 und 45
Kriegsblinde aus dem gesamten Bundesgebiet wurden dort behandelt. »Sie sind sehr gerne
hierhergekommen«, erinnert sich Götz Bechtle.
Bis heute würden sich Witwen der Kriegsblinden in jedem Frühjahr zu einem
Freizeitaufenthalt in Bad Wildbad treffen.
Von Wolfgang Krokauer 20.11.2008
Ein besserer Titel wäre:
"Bad Wildbad - Kriegsblinden-Kurheim soll erneut zum Hotel werden",
ob dem dann so ist, wird sich zeigen.
