Bad-Wildbad * Bäderstrasse
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Dem Sauerwasser auf den
Grund gehen
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Entlang der Schwarzwald-Bäderstraße:
Von Köhlern, Kaisern und Kräutern
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Früher und das ist hier im nördlichen
Schwarzwald gar nicht so lange her früher, da hat sich niemand um den Köhler
gekümmert. Es war so ein typischer Schwarzwaldberuf, genau wie der Schindelmacher, der
Flößer oder der Harzer. Was außer Holz gab es schon in den abgelegenen Tälern und auf
den einsamen Höhenzügen? Um seine Familie vom Verkauf der Holzkohle ernähren zu
können, mußte der Köhler gut 120 Festmeter zusammentragen, aufschichten, den Meiler mit
Erde bedecken und das Ganze dann zwei Wochen verschwelen lassen. Erst 1974 verlosch in Enzklösterle
der letzte Kohlenmeiler.
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Wo Kaiser und das Zarenpaar kurten
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Heute läßt man es in dem Luftkurort im Oberen
Enztal ab und zu wieder kokeln, der Tradition und der Besucher wegen. Aber ein bißchen
scheint die Welt hier immer noch zu Ende. Ein paar Kilometer flußabwärts in Bad
Wildbad ein ganz anderes Bild: Die Enz unter den hohen Bäumen des Kurparks,
geschäftige Ladenzeilen, ein wenig Belle Epoque und Kriegsblinden-Sanatorium, über der
Brücke der Badetempel des alten Eberhardsbades. Vor 100 Jahren kurten hier der Kaiser und
das Zarenpaar, die Bismarcks und die Moltkes fuhren mit der neuen Bergbahn auf den
Sommerberg, und Rossini lies sich in den maurischen Hallen des Fürstenbades inspirieren.
Die Köhler und Harzer ober im Wald sollten freilich noch lange unter sich
bleiben.
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Die Enztalbahn endet auch heute noch in Bad
Wildbad, und die Nebenstraße weiter nach Enzklösterle
schlängelt sich noch immer gemütlich durch die Flußauen. Es ist ein Stück der
Schwarzwald-Bäderstraße, eine Momentaufnahme aus über 200 Kilometern
Touristikroute. Mehr noch als ihr berühmtes Pendant, die
Schwarzwaldhochstraße, zeigt die Straße mit der kleinen Badenixe im Etikett
den nördlichen Schwarzwald mit all seinen Schattierungen, Gegensätzen und
Bonbons.
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Und das sind nicht nur die großen und kleinen
Heilbäder, die wie Perlen an der Route aufgereiht sind. Auch die Nester mit
den Schindelhäusern oben im Wald gehören dazu, natürlich die Wanderwege zu
einsamen Hochmooren, Karseen und Sägemühlen, aber auch die schwäbischen Landstädtchen
an der Nagold und die Schlote der Papierfabriken im Murgtal. Bäderstraße
er-fahren, das heißt im Baden-Badener Casino dem großen
Glück auf die Sprünge helfen oder in Igelsloch, Hühnerberg
und Gompelscheuer dem nachspüren, was man hinter den Ortsnamen so
vermutet...
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Ausgangs- und Endpunkt der Route ist die
Goldstadt Pforzheim. Hier ist vor allem das Schmuckmuseum mit
Schätzen aus zwei Jahrtausenden einen Besuch wert. Wer möglichst rasch der Natur des
Schwarzwälder Sauerwassers auf den Grund gehen will, kann nach einer halben
Stunde Fahrt durchs Nagoldtal in die 30 Grad warme Therme von Bad Liebenzell
eintauchen. Von der Liebenzeller Sauna Pinea sagen Kenner, sie sei die
schönste in ganz Süddeutschland.
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Einen Nachmittagsspaziergang talaufwärts liegt
Hirsau mit seiner malerischen Klosterruine. Schon um 830 legten die ersten Mönche in der
einsamen Hirschen Au den Grundstein zum Aureliuskloster, das im
Hochmittelalter seinen Einfluß auf ganz Süddeutschland ausbreiten sollte.
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Schwäbische Kleinstadt-Atmosphäre wie nirgends
sonst entlang der Bäderstraße bekommt man in Calw geboten. Bis Ende des
18. Jahrhunderts wurde hier mit Stoff-, Salz- und Holzhandel so richtig Geld verdient. Als
Zeugen dieser goldenen Zeiten sind die liebevoll herausgeputzten Fachwerkhäuser in der
Altstadt geblieben (die schönsten stehen, wie zum Gruppenfoto aufgereiht, am Marktplatz).
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Violette Krokuswiesen
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Klein aber fein trifft dagegen auf Bad
Teinach-Zavelstein zu. Mitten im Wald, in einem windgeschützten Seitental der
Nagold, schuf sichHerzog Eberhard Ludwig von Württemberg Mitte des 18. Jahrhunderts eine
standesgemäße Sommerfrische mit Bad, Promenade und Stallungen. Auch hier hat man die
alten Bauten frisch aufpoliert und mit einem schmucken Thermalbädchen ergänzt. Oben auf
dem Berg lockt der Burgflecken Zavelstein (einst mit 600 Seelen die kleinste Stadt
Europas) im März mit violetten Krokuswiesen. Auch das alte Silberbergwerk von Neubulach
lohnt den Weg auf die Höhe.
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Bevor sich die Bäderstraße aus dem Nagoldtal raus
nach Freudenstadt windet, sind die mittlalterlichen Städtchen Altensteig
und Berneck beinahe schon Pflichtprogramm. Die höchsten Tannen
Deutschlands können bei Kälberbronn erwandert werden:
Holländertannen nennt man sie in Erinnerung an damals, als die Stämme in
riesigen Flößen den Rhein runter bis Holland jongliert wurden, wo die längsten von
ihnen als Masten für Segelschiffe Verwendung fanden.
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In Freudenstadt, wo es sich
windgeschützt unter Arkaden um Deutschlands größten Marktplatz bummeln läßt
(Renaissance-Baumeister Heinrich Schickhardt ließ sich in Italien inspirieren), hat man
die Wahl: entlang eines kleinen Anhängsels zu den beiden Thermalbädern Bad
Rippoldsau und Bad Peterstal fahren oder auf der klassischen
Schwarzwaldhochstraße weiter in Richtung Baden-Baden.
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Wald und Einsamkeit
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Wer der Bäderstraße treu bleiben möchte, wird
bald vom größten Waldgebiet Süddeutschlands verschlungen. Spätestens ab Besenfeld
glaubt man sich statt auf der B 294 irgendwo an den Canada-Highway versetzt: Wald und
Einsamkeit, ab und zu mal Gegenverkehr. Hier kann man tagelang durch den Wald streifen (am
besten im Winter auf Skiern), um irgendwann an Deutschlands größtem Hochmoor, dem
Wildsee bei Kaltenbronn, zu landen. Die Einfahrt nach Bad Wildbad
gleicht einer Rückkehr in die Zivilisation...
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Mit dem 700 Meter hoch gelegenen Dobel
und der anschließenden Abfahrt nach Bad Herrenalb berührt die
Bäderstraße zwei der insgesamt fünf Heilklimatischen Kurorte des Nordschwarzwalds (die
anderen sind Freudenstadt, Schömberg und Bühlerhöhe).
Schon bevor man in Herrenalb 1964 auf Thermalwasser stieß, hatte sich
der Ort durch Molkekuren einen Namen gemacht. Den Rohstoff hierzu lieferten
die Ziegen und die kräftigen Kräuter aus dem nahen Gaistal.
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In Bad Herrenalb gabelt sich die
Bäderstraße: albtalabwärts, vorbei an der Klosterruine von Frauenalb und am herrlich
unaufgeräumten Marxzeller Automuseum nach Waldbronn,
ein ebenfalls recht junger Badeort, in dem man ein bißchen sportlicher als anderswo im
Thermalwasser schwimmen darf. Von dort geht es über Straubenhardt und
das alte Amtsstädtchen Neuenburg zurück zum Startpunkt Pforzheim.
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Fährt man aber die Runde vollends aus, schaut
vielleicht in Bad Rotenfels im Murgtal vorbei oder probiert hoch über Gernsbach,
auf Schloß Eberstein, ein Glas badisches Eberblut (übrigens der einzige
Weinort an der Bäderstraße) - ja, dann führt der Weg unweigerlich nach Baden-Baden.
Und hier, egal ob während der 16 wohldosierten römisch-irischen Badegänge im alten
Friedrichsbad oder im Strömungskanal der postmodernen Caracalla-Therme - hier bleibt sie
endlich stehen: die Zeit, um alle Eindrücke der Bäderstraße nochmal auf sich
einplätschern zu lassen.
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von Lothar Steimle
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BAD WILDBAD HISTORY |
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