Ein Service von  On Line Pefri electronics  75339 Höfen an der Enz   Tel   07081 8620    Fax  07081 1364

schwarzwald-logo.gif (1261 Byte)

Wildbad-Explorer

.
Orkan "Lothar"  26.12.99 Sommerberg
.
hcwWTV1.bmp (310518 Byte) hcwWTV2.bmp (339510 Byte)
.
hcwWTV4.bmp (339510 Byte)       hcwWTV3.bmp (339510 Byte)
.

hcwWTV5.bmp (339510 Byte)

hcwWTV6.bmp (339510 Byte)

.
hcwWTV8.jpg (41125 Byte) hcwWTV9.jpg (40050 Byte)
.
hcwWTV10.jpg (42598 Byte)      hcwWTV11.jpg (29047 Byte)
.
.
w_anzeigenblatt.gif (2200 Byte)    vom   29.12.1999
.
Beträchtliche Gebäudeschäden
Ziegel und Dachverwahrungsteile, die vom Wind als "gefährliche Luftfracht" abhoben, waren noch das wenigste. In Calmbach und auch in Wildbad wurden eine Vielzahl von Dächern beschädigt, die zum Teil erneuerungsbedürftig sind. Glück im Unglück hatte noch Gerhard Keck in der Bismarckstraße 74 in Bad Wildbad. Außerhalb der Wohnung beobachte der Hausbesitzer, wie in bis zu vier Lagen der Wald hinter seinem Anwesen verwüstet und niedergemacht wurde. Ein in Schräglage fallender und entwurzelter Baum reichte dann der Länge nach gerade, um das im vergangenen Jahr gebaute Haus knapp zu streifen, ohne größeren Schaden zu nehmen. Einem starken Ast konnte er gerade noch ausweichen, der mindestens 50 Meter durch die Luft sauste und an der Fassade des Gebäudes 73 zerbarst.

Orkan forderte zwei Tote und zahlreiche Verletzte
Zwei Menschen wurden am zweiten Weihnachtsfeiertag durch umfallende Bäume im Auto sitzend erschlagen und zahlreiche Insassen wurden schwer- und leichtverletzt. Viele Straßen im Landkreis sind nach wie vor nicht befahrbar, abgedeckte Dächer findet man mehr oder weniger in jeder Gemeinde. Die entstandenen Schäden können zur Stunde noch nicht abgesehen werden, gehen aber auf jeden Fall in die Millionen. Die Hilfskräfte haben teilweise rund um die Uhr ohne Pausen und Schlaf gearbeitet, um die schlimmsten Schäden zu beseitigen.
Um 13 Uhr wurde auf der Landesstraße 350 zwischen dem Simmersfelder Kreuz und Enzklösterle eine 41jährige auswärtige Frau von einem auf einen Saab stürzenden Baum getötet. Die Frau wurde auf dem Rücksitz sitzend getroffen. Der 60jährige Fahrer und eine 62jährige Mitfahrerin wurden schwer verletzt; am Auto entstand Totalschaden in Höhe von 20.000 Mark.
Der zweite tödliche Verkehrsunfall ereignete sich um 12.20 Uhr auf der Bundesstraße 294 zwischen Calmbach und der Rehmühle. Als ein 39jähriger Audi-Fahrer aus dem Raum Heidelberg wegen umgefallener Bäume wenden wollte, stürzten durch den Orkan 20 bis 30 Bäume um und fielen auf drei Fahrzeuge. Der Audi-Lenker wurde schwer verletzt, seine Ehefrau, von der das Alter noch nicht bekannt ist, wurde tödlich verletzt. Die Rettungskräfte brauchten teilweise Stunden, um zu den Unfallstellen durchzukommen, da überall der Anfahrtsweg durch umgestürzte Bäume versperrt war.
Ein 39jähriger Citroen-Fahrer aus Pforzheim wurde um 12.20 Uhr auf der Bundesstraße 294 zwischen der Rehmühle und Calmbach ebenfalls durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt, vier weitere in dem Wagen sitzende Personen wurden leicht verletzt. Am Fahrzeug entstand Totalschaden in Höhe von 30.000 Mark. Ein 29jähriger Opel-Fahrer aus Keltern hatte Glück, er konnte auf der genannten Strecke seinem total beschädigten Opel unverletzt entsteigen. Ebenso ging es einer 48jährigen Citroen-Fahrerin aus Pforzheim in Höhe der Abzweigung Charlottenhöhe zwischen Calmbach und Höfen; auch sie blieb unverletzt.

Schwere Orkanschäden im Enztal
Mit Windgeschwindigkeiten von rund 170 Stundenkilometern und mehr raste der Orkan "Lothar" am vergangenen Sonntag über die Höhen und durch die Täler des Nordschwarzwalds und hinterließ in weiten Teilen des oberen Enztals ein Bild der Verwüstung.
Schon vom späten Vormittag an war die Freiwillige Feuerwehr Bad Wildbad zusammen mit Mitarbeitern des Forstamts, letztere mit schweren Holzrückeschleppern, im Einsatz, um die wichtigsten Straßen von umgestürzten Bäumen freizuräumen: Ein bei dem Sturm gefährlicher Versuch, der bei den anhaltenden Orkanböen nicht gelingen konnte, ohne das eigene Leben aufs Spiel zu setzten. Ein totales Chaos von durcheinander und aufeinanderliegenden Bäumen herrschte auf der Landesstraße in Richtung Enzklösterle, auf der Bundesstraße 294 im Enztal, auf der Strecke Bad Wildbad-Aichelberg und auf der Bundesstraße 296 Calmbach-Calw, die schon am frühen Sonntagnachmittag gesperrt werden mussten. Auf der Anfahrt zur Einsatzstelle stürzte auf der Bundesstraße 294 ein Baum auf den mit Rettungsgeräten ausgestatteten Vorausrüstwagen der Wildbader Feuerwehr mit Kommandant Tido Lüdtke am Steuer. Glücklicherweise blieb er unverletzt; das Fahrzeug wurde erheblich beschädigt. Zusammen mit einigen Feuerwehrkameraden aus Aichelberg setzte er seinen Weg zu einer Einsatzstelle im Kleinenztal auf und neben der Straße fort. Dort waren Bäume auf drei Autos gestürzt, wobei die Insasssen teilweise in ihren Fahrzeugen eingeschlossen waren. In einem der Wagen wurde eine Beifahrerin tödlich verletzt. Der Fahrer erlitt schwere Verletzungen. Zwei im Fonds sitzende Kinder nahm die Feuerwehr in Betreuung. Sie übernahm auch mit ihrem Mannschaftswagen den Transport einiger der insgesamt sechs Verletzten ins Krankenhaus. Unterstützt wurde der in Calmbach stationierte DRK-Rettungs- und Notarztdienst von der sich aus ehrenamtlichen und hauptamtlichen DRK-Kräften rekrutierenden Schnelleinsatzgruppe (SEG) "Oberes Enztal".
Schwere Verwüstungen richtete der Orkan im Bad Wildbader Kurpark an. Nur ganz knapp entging der Maurische Pavillon seiner Zerstörung durch einen umstürzenden Baum. An der Meistern-Tunnelausfahrt in Richtung Enzklösterle blockierten umgestürzte Bäume die Fahrbahn ebenso wie auf der Bundesstraße 294 Calmbach - Pforzheim. Am Montag waren noch die Bundesstraße 296 Calmbach-Oberreichenbach, die Bundesstraße 294 zwischen Calmbach und der Agenbacher Sägmühle, die Straße zwischen Wildbad und Aichelberg sowie die Straßenverbindung von Sprollenhaus über Kaltenbronn ins Murgtal gesperrt.
Calmbach war am Sonntagnachmittag und -abend wie eine Sackgasse das absolute Zentrum des Verkehrsstaus im oberen Enztal, denn sowohl in Richtung Freudenstadt als auch in Richtung Calw als auch in Richtung Enzklösterle ging nichts mehr: Eine Strapaze für die Nerven der Autofahrer wie auch für diejenigen der Einsatzkräfte, denn guter Rat war war in dieser Situation teuer. Eine Chance, aus dem oberen Enztal herauszukommen, bestand eigentlich nur auf der Bundesstraße 294 zurück in Richtung Höfen - Pforzheim bzw. Schömberg. Bis zu fünf Stunden dauerte beispielsweise die Fahrt von Calmbach nach Aichelberg; die Feuerwehr kämpfte sich mit ihren Motorsägen nach ihrem Rettungseinsatz im Kleinenztal Stück für Stück gegen die Fahrbahn blockierende Bäume durch, sodass die Bundesstraße 294 erst gegen 17 Uhr für Rettungsfahrzeuge durchgehend befahrbar war.

Gewaltige Orkanböen forderten zwei Todesopfer und richteten schlimme Schäden an
Waldschäden und Schäden an Gebäuden gehen in die Millionen / Stromversorgung brach für Stunden zusammen
- Fotografiert und notiert: Eberhard Schmid - Nichts war es am zweiten Weihnachtsfeiertag mit einem erholsamen Festtag und dem zufriedenen Zurücklehnen angesichts eines langen Wochenendes seit Freitag (Heilig Abend). Das Tief Lothar, von den Wetterfröschen als besonders stürmisch angekündigt, hielt ab der Mittagszeit am Sonntag die Region und darüber hinaus in Atem. Die unermüdlichen und engagierten Helfer der Freiw. Feuerwehren, des Städtischen Bauhofs, der Polizei, der Forstes, DRK und zahlreichen Helfer aus der Bevölkerung boten ein imponierendes Zeugnis gemeinschaftlichen Miteinanders in der Bewältigung gegen die unwahrscheinlichen Kräfte der Natur.
Leider - und dies scheint besonders tragisch - passierten im Bereich des oberen Enztals und damit in der engeren Region der Gesamtstadt schlimme Unfälle, die zwei Menschenleben und eine Reihe von Schwerverletzten forderten. (Besonderer Bericht).
Darüber hinaus solleneiner aktuellen Meldung zufolge in Enzklösterle zwei Urlaubsgäste noch vermisst werden, die in ihrem Ferienquartier nicht angetroffen wurden. Offensichtlich, so war zu erfahren, hatten sie sich an einer Kurgastwanderung beteiligen wollen, die jedoch aufgrund der Gefährung durch den Orkan abgesagt wurde.


* - * - *
Statt knuspriger Gans gab's Christstollen und Kuchen
"Wir sitzen mit acht Gästen und einer noch nicht fertig gebratenen Weihnachtsgans seit 12 Uhr im Wohnzimmer ... bei Stollen und Getränken", so U.K. am Chaos-Weihnachtstag gegen 17 Uhr. Die Schillerstraße am bis um 17.41 Uhr nachtfinsteren Eiberg-Hang war eines der letzten Versorgungsgebiete der Kernstadt Wildbad, die mit elektrischer Energie versorgt wurde. Nach über sechs Stunden Stromausfall sanken allmählich die Raumtemperaturen in den Häusern der auf Strom angewiesenen Heizungen; zum anderen reduzierten sich in den Tiefkühltruhen und Frostern die Kältegrade in Bereiche, die zum Auftauen führen konnten.
Sehr viel schlimmer noch traf es den Stadtteil Sprollenhaus und das Wohngebiet Christophshof. Bis 22 Uhr bzw. 18 Uhr waren die Verkehrswege gesperrt und um 21.30 Uhr gingen dort endlich wieder die Lichter an.
Kaum zu glauben: Am Montagabend bis gegen 17.30 Uhr (!) sollen weite Teile von Enzklösterle immer noch ohne Strom gewesen sein!

* - * - *
Tornado-Szenario ließ Bäume wie Streichhölzer knicken
Gegen 11.30 Uhr kündigte sich im Bereich der Kernstadt Wildbad und in Calmbach das aus Frankreich heranziehende Sturmtief Lothar mit einem totalen Stromausfall an. Der Wind wurde danach immer böiger, nahm an Gewalt zu und sorgte zu diesem Zeitpunkt bereits für die ersten Bruchschäden. Das Inferno steigerte sich zum absoluten Chaos, das wahllos zupackte und eine Situation des Schreckens hinterließ, deren Spuren noch lange deutlich sichtbar bleiben werden.
Auf dem Sommerberg - und nicht nur dort - wurden vom Umfang her meterdicke Bäume in unterschiedlichen Höhen geradezu abgedreht. Vor dem Waldhotel legte eine gewaltige Sturmbö einen rund 30m hohen Koloss flach: eine echte Katastrophe, wäre der Baum nicht in Richtung Talseite gefallen und ins Gebäude gekracht. Im unmittelbaren Nahbereich der Sommerberg-Bergstation rasierte der Sturm um die zehn stattliche Bäume, deren Oberteile mit schauerlichem Krachen und Bersten in den niederen Bestand krachten.

* - * - *
Eingangs-Glasschiebetüren zersplitterten
Die Urgewalt des Sturms machte auch nicht vor Dächern, Fassaden und Gebäuden Halt, die ungücklicherweise im Zentrum der Druckwellen standen. Als Beispiel für viele: Mit einem Schlag zerbarst der neue automatische Doppeltür-Zugang zur oberen Bergbahnstation; der Zugang wurde mit Schraubzwingen provisorisch gesichert.

* - * - *
Sommerberg-Auffahrt über Blöcherweg bis Montagmorgen gesperrt
Die Orkanwalze sorgte für weite Teile des oberen Enztals und die Gesamtstadt für den Ausnahmezustand. So konnte vom Zeitpunkt des zweiten Weihnachtsfeiertags gegen 12 Uhr bis Montag gegen 9 Uhr der Höhenstadtteil Sommerberg nicht über die Fahrstraße Blöcherweg erreicht werden. Nicht auszudenken, wäre dort oben ein akuter Feuerwehreinsatz notwendig geworden oder es hätte Gefahr für Leib und Leben der dortigen Mitbürger bestanden.
Bis gegen 18 Uhr konnten im Auffahrtsbereich bis zur Abzweigung Grundweg - etwa dem ersten Viertel der gesamten Strecke - acht bis neun Bäume mit der Motorsäge entsorgt werden. Zwischen 30 und 40 (!) Bäume waren es bis zum Plateau Sommerberg, die am Montagmorgen von Forstarbeitern aufgearbeitet wurden, die schweres Gerät in Einsatz brachten.

* - * - *
Besonderer Glücksfall:
Stark vergrößerter Waldabstand entlang der Sommerbergbahn-Trasse
Die letzten Stunden wird den vielen Kritikern, die sich vor zwei Jahren darüber aufregten, dass beiderseits entlang der Bergbahntrasse der Waldabstand erheblich zurückgenommen wurde, den Mund gestopft haben. Nicht auszudenken, wenn bei diesem Inferno letztlich die einzige Verbindung zum Höhenstadtteil bzw. ins Tal gekappt gewesen wäre. Die Situatuion des Stromausfalls, die letztlich auch diese Verkehrsverbindung für einige Zeit lahmlegte, war schon schlimm genug.

* - * - *
Skihütte stand wie ein Sturm in der Schlacht -
Lifte schwer beschädigt
Für 15 bis 20 große Bäume rund um die Skihütte wurde das Sturmtief um die Mittagszeit zum finalen Schlusspunkt. Familie Viktor Vetturelli, die Betreiber der Skihütte, und eine elf Personen zählende Familie mit Kindern und Enkelkindern, wird letztlich die Zeit von 12 Uhr bis 15.30 Uhr zu den denkwürdigen Stunden des nahezu abgelaufenen Jahres 1999 zählen können. Nahezu waagerecht bogen sich die Wipfel des im Umfeld der standsicheren Hütte gewachsenen Baumbestands, bis nach kurzem Atemholen die Böen endgültig zuschlugen und einen Baum nach dem anderen abdrehten oder mit dem Wurzelstock aus dem Boden rissen. Das Stakkato der immer wieder zuschlagenden Fensterläden der Hütte, die angesichts der Windkraft nicht mehr zu fixieren waren, bildeten die schlimm nervenden Begleitgeräusche.
Die beiden oberen Liftstationen und Umläufe sowie die Beruhigungsstrecken der Seilführungen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, die Stahltrosse aus den Laufrollen gedrückt. Der Schaden ist erheblich und es wird einige Zeit dauern, die Lifte wieder betriebsbereit zu bekommen.

* - * - *
Beträchtliche Gebäudeschäden
Ziegel und Dachverwahrungsteile, die vom Wind als "gefährliche Luftfracht" abhoben, waren noch das wenigste. In Calmbach und auch in Wildbad wurden eine Vielzahl von Dächern beschädigt, die zum Teil erneuerungsbedürftig sind. Glück im Unglück hatte noch Gerhard Keck in der Bismarckstraße 74 in Bad Wildbad. Außerhalb der Wohnung beobachte der Hausbesitzer, wie in bis zu vier Lagen der Wald hinter seinem Anwesen verwüstet und niedergemacht wurde. Ein in Schräglage fallender und entwurzelter Baum reichte dann der Länge nach gerade, um das im vergangenen Jahr gebaute Haus knapp zu streifen, ohne größeren Schaden zu nehmen. Einem starken Ast konnte er gerade noch ausweichen, der mindestens 50 Meter durch die Luft sauste und an der Fassade des Gebäudes 73 zerbarst.

* - * - *
Am Montag: Geschwindigkeitskontrollen in der Kernerstraße
Als hätte das Landratsamt nichts wichtigeres zu tun: Ausgerechnet am Montag nach der schweren Sturmkatastrophe führte das Landratsamt Calw in der Kernerstraße in Bad Wildbad Radarkontrollen durch und stieß mit dieser Blitzaktion auf erhebliche und verständnislose Kritik der autofahrenden Bevölkerung.

* - * - *
Am Dienstag in der Frühe: Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee

Erhebliche Verkehrsbehinderungen bereitete am Dienstgmorgen in der Nacht gefallener Neuschnee den Verkehrsteilnehmern und Fußgängern, die sich auf den Weg an ihre Arbeitsplätze machten. Und: Als wären die Mitarbeiter des Bauhofs, des Straßenbauamts, des Forst und die mit den Aufräumaktionen des vergangenen Tages nicht an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeiten geführten Kräfte genug gefordert. Jetzt hieß es nochmals, kräftig durchzuatmen und zuzupacken.
.
Deutscher Wetterdienst Offenbach meldet:
.
Folgende Spitzenböen von 130 km/h und mehr wurden am 26. Dezember in Deutschland erreicht:

Wendelstein 226 km/h
Feldberg/Schwarzwald 213 km/h
Zugspitze 198 km/h
Karlsruhe 152 km/h
Stuttgart 144 km/h
Lahr 144 km/h
Weinbiet 137 km/h

.
pz-news.gif (1809 Byte)  April 2000
Schon elf Waldarbeiter getötet
Aufräumarbeiten in den Forsten des Landes kommen 100 Tage nach dem Orkan "Lothar" zügig voran
STUTTGART. Die Aufräumarbeiten in den südwestdeutschen Forsten genau 100 Tage nach dem Orkan "Lothar" kommen zügig voran.

Jeden Monat räumen etwa 5000 Waldarbeiter davon mehr als 600 von anderen Bundesländern "ausgeliehen" allein im Staatswald mehr als zwei Millionen Kubikmeter Sturmholz beiseite. Dies berichtete der Oberforstrat Werner Püttmann vom Landwirtschaftsministerium.

Ministerin Gerdi Staiblin (CDU) kündigte unterdessen weitere Hilfen für die Nasslagerung des geborgenen Holzes an. Danach darf jetzt auch der sturmgeschädigte Kommunal- und Großprivatwald mit Hilfen der öffentlichen Hand rechnen. Möglich wird dies durch zusätzliche Mittel der EU und des Bundes in Höhe von zusammen 50 Millionen Mark. Kommunen unterhalb einer bestimmten Steuerkraft und Großwaldbesitzer erhalten eine Beihilfe von acht Mark je Kubikmeter Holz für den Transport und eine Nasslagerhilfe von vier Mark pro Festmeter.

Stützung des Holzmarktes

Bisher wurden aus dem mit 100 Millionen Mark ausgestatteten Soforthilfeprogramm des Landes nur Kleinprivatwaldbesitzer bedient. Wie viele dieses Angebot angenommen haben, konnte Geschäftsführer Martin Bentele von der Forstkammer, der Vertretung der kommunalen und privaten Waldbesitzer, nicht sagen. Die Förderung der Nasslager soll vor allem der Marktstützung dienen. Die Holzpreise sind nämlich wie berichtet im Keller

In Baden-Württemberg stehen Nasslagerkapazitäten für etwa 4,5 Millionen Kubikmeter zur Verfügung, sagte Staiblin. Dies sei wenig angesichts von 25 Millionen niedergelegten Kubikmetern, räumte sie ein. Die Lager in den Staatsforsten stehen allen Waldbesitzern offen, und die Forstkammer appelliert an alle, schon um der Preise willen diese Möglichkeit zu nutzen. Bei sachgerechter Einlagerung und Beregnung bleibt die Qualität des Rundholzes vier bis sechs Jahre erhalten.

Im Staatswald gehen die Aufräumarbeiten zügig voran anders im Privatwald: Dort zeigt sich, dass die Logistikstrukturen, also der Weg von der Aufarbeitung bis ins Sägewerk viel zu viele Schritte umfasst. "In Skandinavien beispielsweise sind diese Voraussetzungen viel professioneller organisiert", sagte Bentele. Im Staatswald dürften die Arbeiten im Frühjahr 2001 abgeschlossen sein, rechnet Püttmann. Die Wiederaufforstungen haben noch nicht begonnen und werden von Herbst an etwa drei Jahre dauern.

Die Aufräumarbeiten sind nicht ungefährlich. In den vergangenen 100 Tagen verloren schon elf Waldarbeiter darunter je einer in Neuenbürg und Pforzheim ihr Leben, etwa 1400 wurden verletzt. Normalerweise sterben bei Unfällen im Walde jährlich drei Menschen. Für Bentele ein Zeichen, dass schnell gearbeitet wird, zu schnell: Die Sicherheit bleibt vielfach auf der Strecke. Das Land hat inzwischen den Zeitdruck von den üblicherweise im Akkord arbeitenden Männern und Frauen genommen: Sie werden nicht mehr nach dem eingeschlagenen Holz entlohnt, sondern erhalten den Durchschnitt ihres letztjährigen Akkordlohnes.   lsw

http://www.wetter.de
Orkantief Lothar - der fleißigste Holzfäller aller Zeiten
Ursache für den Orkan Lothar, der am zweiten Weihnachtstag 1999 über Deutschland hinweg fegte, war ein bis auf 960 Hektopascal (hPa) gefallener Druck im Inneren eines Tiefdruckgebietes. Der Kern des außergewönlich ausgeprägten Tiefdruckgebietes bewegte sich über Trier, Frankfurt und Jena nach Ostsachsen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden hinter der Okklusionsfront des Tiefdruckgebietes die stärksten Winde gemessen. Im Kernbereich lagen die beobachteten Werte dagegen deutlich niedriger.


.
Expositionsbedingt traten die höchsten Windgeschwindigkeiten am 26. Dezember 1999 in den deutschen Mittelgebirgen auf. Am Feldberg im Schwarzwald wurden um die Mittagszeit mittlere Windgeschwindigkeiten von 130 Kilometer pro Stunde (km/h) aufgezeichnet. In Böen wurden über 210 km/h gemessen, wodurch die Rekord-Windgeschwindigkeit aus dem Jahre 1967 für diese Wetterstation eingestellt wurde! Am Nachmittag wurden dann auch in Bayern die stärksten Sturmböen seit Jahrzehnten gemessen. Im Flachland Bayerns waren die Windgeschwindigkeiten aufgrund der vom Druckgebilde bereits durchlaufenen Zugstrecke abernicht mehr so stark wie zuvor in Baden-Württemberg.
 
hcwWTV7.jpg (17783 Byte)
Das unmittelbar folgende Orkantief Martin bildete sich ebenfalls südwestlich von Irland als Randstörung eines ausgedehnten Tiefdrucksystems aus. Gerade die starken Druckabfälle innerhalb kürzester Zeit, bei "Lothar" waren es 20 hPa innerhalb von drei Stunden, geben solchen Gebilden den Beinamen "meteorologische Bomben".
.

Glücklicherweise war Lothars Band der Verwüstung in Frankreich und Deutschland "nur" ca. 300 Kilometer breit. In den Waldgebieten dieser Länder entstand ein Sturmholzanfall von ca. 180 Millionen Festmetern (Fm). Normalerweise werden in Deutschland ca. 40 Millionen Fm Holz eingeschlagen. 70 Prozent davon erledigte Lothar! Noch krasser fällt ein Blick auf das in der BRD am stärksten von den Schäden betroffene Bundesland aus. In Baden-Württemberg werden normalerweise 10 Millionen Kubikmeter pro Jahr eingeschlagen: Lothar schaffte 25 Millionen Kubikmeter - und das in wenigen Stunden. Selbst im Vergleich zu seinen Sturm-Kolleginnen Vivian und Wiebke aus dem Jahr 1990, die zusammen 15 Millionen Kubikmeter Holz fällten, hebt sich Lothar noch mit Rekorden ab. Durch die Sturmwürfe haben die Waldbesitzer Baden-Württembergs einen finanziellen Schaden in Höhe von rund 1,5 Milliarden DM zu tragen. Zahlreiche, vor allem kleinere waldbewirtschaftende Betriebe stehen dadurch vor großen Schwierigkeiten.


.
<...  Zurück zur Stadt Bad Wildbad

GRÜNHÜTTE ...>

.
flag-enus.gif (1199 Byte) english site
pefri@bad-wildbad.info
systran_big_logo.gif (1611 Byte) FUNNY TRANSLATION .© 1998 / 2003

SEARCH